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L 237 – Haus für Kriegbeschädigte und Ordonnanzen

Dlouhá 24, 411 55 Terezín, Tschechische Republik

Hauseigentümer vor Zwangsaussiedlung

Eleonora Fišerová

Adresse vor Zwangsaussiedlung

Palackýgasse 24
Palackého 24

Orientierungsnr. im Ghetto

L 237, Block F II, 3. Bezirk

Adresse „Verschönerung“

Bahnhofstrasse 37


L 237 – Spuren und Zeugnisse

Kaum vorstellbar: Diese winzige Dachkammer teilten sich vier Personen. Die Bewohner waren einfallsreich und sehr kreativ bei der Ausgestaltung ihrer ärmlichen Unterkunft: Wandmalereien und Graffiti, erst auf den zweiten Blick erkennbar, erzählen von Liebeskummer, schlaflosen Nächten und der Sehnsucht nach der Heimat. Voller Sarkasmus beschreibt beispielsweise ein holländischer Vers die allgegenwärtige Plage durch Wanzen. Ungeziefer war angesichts der unbeschreiblichen hygienischen Verhältnisse ein Problem, das den Alltag aller Häftlinge im Ghetto bestimmte.

Wichtig ist zu wissen: Die folgenden Bilder werfen ein Schlaglicht auf einen relativ kurzen Ausschnitt in der Geschichte des Hauses. Der Raum, der hier im Mittelpunkt steht, entstand im November und Dezember 1943 auf Grundlage einer offiziellen Baugenehmigung und existierte bis zur Befreiung des Ghettos im Mai 1945. Bilder und Interpretationen beziehen sich also auf ein Zeitfenster von maximal 14 Monaten.

Die Gesamtschau der folgenden Bilder lässt einzigartige und vor allem sehr persönliche Einblicke in das Leben der hier einquartierten Ghettobewohner zu. Der Betrachter bekommt Zugang zu einer eigenen Welt. Diese Welt selbst ist nur dreizehn Quadratmeter groß. Dass ausgerechnet hier eine Fülle von bislang unbekannten Zeugnissen des Ghettos existiert, ist mehr als überraschend.

Heutige adresse

L 237 – Kriegbeschädigte, Ordonanzen

L 237 – Kriegbeschädigte, Ordonanzen Dlouhá 24, 411 55 Terezín, Tschechische Republik

Dlouhá 24, 411 55 Terezín, Tschechische Republik

ZITIERHINWEIS

Fischer, Uta, Theresienstadt 1941-1945 – Materielle Zeugnisse und Spuren. L 237 – Kriegsbeschädigte und Ordonanzen, Berlin 31.3. 2016, (Zugriffsdatum)

URL: https://ghettospuren.de/project/l-237/

BAULICHE ZEUGNISSE

WANDMALEREIEN

WANDGestaltung UND GRAFFITI

VERSE UND CARTOONS


WIR SUCHEN ZEITZEUGEN!

Wer kann sich an die Zeit des Ghettos Theresienstadt (1941–45) erinnern oder kennt Menschen, die damals in der Stadt inhaftiert waren? Bitte schauen Sie sich unsere Bilder und Galerien an – erkennen Sie etwas? Dann freuen wir uns über eine kurze Mail von Ihnen.

Kontakt

Die Ersten Bewohner der Mansarde zogen vermutlich kurz nach der Fertigstellung ein – das war im November – Dezember 1943. Einer der ersten Bewohner war ein Mann namens Goldschmied. Sein Vorname ist nicht bekannt.1

Im Juli 1944 bewohnten die Mansarde vier Männer: Leo Popper, Zdeněk Stein, Erik Harpmann und Hans (Hanuš) Meissner. Sie waren bei einer Kontrolle aufgefallen, weil die Verdunklung nicht vorschriftsmäßig eingehalten war. Als Strafe wurden achte Tage  Lichtsperre verhängt, außerdem wurde in den „Mitteilungen der Jüdischen Selbstverwaltung“ vom 27.Juli 1944 der Verstoß öffentlich bekannt gegeben.2    Vier Monate später wurden die Männer mit den letzten Transporten im Herbst 1944 nach Auschwitz deportiert. Nur  Erik Harpmann und Hans (Hanuš) Meissner erlebten die Befreiung im Jahr 1945.

Wer die Mansarde ab Ende Oktober 1944 bewohnte ist nicht bekannt. Lediglich die tschechische Inschrift “LISTOPAD 1944 ZDENĚK” („November 1944 ZDENĚK) ist ein vager Hinweis.

DOCUMENT.JMP.SHOAH/T/2/A/2r/145/025, Mitteilungen der Jüdischen Selbstverwaltung Nr.31 vom 27.Juli 1944, bearbeiteter Ausschnitt

Quellen: Mitteilungen der Jüdischen Selbstverwaltung Nr. 31 vom 27.Juli 1944,Jüdisches Museum Prag, Bestand Terezín/Theresienstadt, Inv.- Nr.145 , bearbeiteter Ausschnitt

Harpmann, Erik (Erich)
geb. 27.10.1922 in Prag/Praha
Transport Di / 13. 07. 1943 / Prag/Praha – Theresienstadt/Terezín
Transportnummer Theresienstadt: Di 775
Transport Em / 1.10.1944 / Theresienstadt/Terezín – Auschwitz/Oświęcim
Transportnummer nach Auschwitz/Oświęcim: Em 944
Häftlingsnummer im KZ Buchenwald: 94511
Verstorben am 21.12.1994 in New York, USA

Quellen:
http://archive.pamatnik-terezin.cz/vyhledavani/ghetto/detail.php?table=ghetto&col=id&value=2024634
http://www.geni.com/people/Eric-Harpman/6000000003822559163

Meissner, Hans (Hanuš)
geb. 22.4.1923
Transport Aat / 23.7.1942 / Prag/Praha – Theresienstadt/Terezín
Transportnummer Theresienstadt: Aat 623
Transport Ek / 28.9.1944 / Theresienstadt/Terezín – Auschwitz/Oświęcim
Transportnummer nach Auschwitz/Oświęcim: Ek 919
Befreit in Gleiwitz/Gliwice

Quellen:
http://archive.pamatnik-terezin.cz/vyhledavani/ghetto/detail.php?table=ghetto&col=id&value=2034137

Popper, Leo
geb. 16.10.1905 in Barau / Bavorov
Transport L / 10.12 .1941 / Prag/Praha – Theresienstadt/Terezín
Transportnummer Theresienstadt: L 772
Transport Ek / 28.9.1944 / Theresienstadt/Terezín – Auschwitz/Oświęcim
Transportnummer nach Auschwitz/Oświęcim: Ek 311
Zugang im KZ Dachau: 10.10.1944
Häftlingsnummer im KZ Dachau: 114846
Verstorben im Außenlager Kaufering am: 23.4.1945

Quellen:
Staatliches Zentralarchiv Prag (Národní archiv Praha), Bestand der Polizeiakten von Prag 1941-1950 (Fonds Policejní ředitelství v Praze 1941-1950 ), Signatur P 2993/1
http://archive.pamatnik-terezin.cz/vyhledavani/ghetto/detail.php?table=ghetto&col=id&value=1740571
Archiv des International Tracing Service (ITS), Signaturen 114/012, 173/18a

Stein, Zdeněk
geb. 20.8.1918 in Prag/Praha
Transport X / 12.2.1942 / Prag/Praha – Theresienstadt/Terezín
Transportnummer Theresienstadt: X 743
Transport Ek / 28.9.1944 / Theresienstadt/Terezín – Auschwitz/Oświęcim
Transportnummer nach Auschwitz/Oświęcim: Ek 468
Zugang im KZ Dachau: 10.10.1944
Häftlingsnummer im KZ Dachau: 115349
Verstorben im Außenlager Kaufering am: 18.1.1945

Quellen:
http://archive.pamatnik-terezin.cz/vyhledavani/ghetto/detail.php?table=ghetto&col=id&value=1879476
Archiv des International Tracing Service (ITS), Signatur 112/086

1  Der Name Goldschmied ist im Erhebungsbogen zur Bestandserfassung der Dachböden erwähnt, die im Februar 1944 durchgeführt wurde. SOkA Litoměřice, Fond: Ghetto Theresienstadt-Selbstverwaltung, Technische Abteilung, Referat Bauwesen, Inv. Nr. 147, Kart. 15

2 Mitteilungen der jüdischen Selbstverwaltung Nr. 31 vom 27. Juli 1944, Jüdisches Museum Prag, Bestand Terezín/Theresienstadt, Inv. Nr. 145

Tagebucheintragung von Richard A. Ehrlich vom 13. November 1943
Im Februar 1943 waren Richard A. Ehrlich und seine Mutter, die dort als Zimmerordonanz eingesetzt war, täglich in dem Haus tätig. Er hielt seine Erlebnisse etwa neun Monate später in einem Tagebuch fest:

„Mit dem Einverständnis des Hausältesten Karl Spitz entschloss ich mich kurzerhand, die l. Mutter in ihrer täglichen Arbeit zu unterstützen, und so gingen wir jeden Morgen um 8 Uhr pünktlich wie ein „Servantcouple“ zu unserem Dienst. Während die l. Mutter die Kanzlei (Büro) aufräumte, Betten machte, auskehrte und 3 Räume aufwischte, wusch ich das Geschirr, holte Kohlen aus dem Keller, hackte Holz etc. Dann mussten wir zur Engroküche in der Sudetenkaserne, für 18 Personen im Hause das Mittagessen zu holen, was keine kleine Arbeit war. An jedem 3. Tag musste auch das Brot für das ganze Haus geholt werden, wobei man meistens stundenlang in Sturm und Wetter, oder im Sommer bei glühender Hitze „anstehen“ und warten musste. Ebenso hatten wir die „Fassungen“ wie Milch, Wasser, Seife, Zucker, Margarine etc. für das ganze Haus in Empfang zu nehmen und bei der Verteilung zu helfen.“ […] später unterstützte ich Herrn Spitz bei seinen Schreibarbeiten, so dass ich ihn hierin während einer sechswöchigen Krankheit vollkommen vertreten konnte. Ich erstattete die täglichen Krankenmeldungen, die Standmeldungen bei der Arbeiterbetreuung und bei der Raumwirtschaft, die Dekadenmeldungen etc.“ 1

 

1 H.G. Adler: die verheimlichte Wahrheit, S. 169 f.

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